In meinen Coachings geht es oft um Themen wie Kontrolle, alles allein machen, alles im Griff haben, nicht delegieren wollen.
Meine Interventionen sind dabei ganz unterschiedlich – je nach Situation und Gegenüber: Wir schauen, wo dieses Bedürfnis besonders stark auftritt und wo gar nicht. Manchmal erkunden wir, wie sich Delegieren vorsichtig üben lässt, wo es Erleichterung bringen kann – und wo nicht.
Manchmal arbeite ich mit Visualisierung, also mit der Vorstellungskraft, manchmal wird gezeichnet. Ich arbeite mit inneren Anteilen, lade zu kleinen Experimenten ein, wir sortieren Karten.
Und wir betrachten was für das Gegenüber Kontrolle mit Sicherheit oder auch Fürsorge zu tun hat. Je nachdem in welchem Bereich des Lebens dieses Bedürfnis vorkommt, dieses „wissen was kommt“, „den Prozess allein zu lenken“, und was Kontrolle eben für jede:n einzelne bedeutet.
Manchmal ist dieser Wunsch nach Kontrolle jedoch etwas anderes.
Manchmal geht es darum, Ablehnung zu vermeiden oder Kritik aus dem Weg zu gehen.
Diese Menschen sagen dann manchmal auch: Mein Perfektionismus schützt mich.
Es gibt einen Grund, warum Du perfektionistische Züge entwickelt hat.
Vor Jahren war Perfektionismus die beste verfügbare Option. Er hat Dich geschützt, er war notwendig. Vielleicht war er sogar überlebenswichtig.
Wenn Perfektionismus schützt, dann lohnt es sich hinzuschauen: Wovor genau?
Oft nicht vor Chaos, sondern vor Ablehnung. Nicht vor Fehlern, sondern vor dem Gefühl, nicht zu genügen.
Perfektionismus ist dann keine Frage von Leistung, sondern von Beziehung. Eine Strategie, um Zugehörigkeit zu sichern.
Du könntest schauen, ob er das heute noch tut, was er mal versprochen hat.
Wovor Dich Dein Perfektionismus jetzt schützt – und wovor er nicht schützt? Und was Dich dieser Schutz kostet? Kostet er Nähe? Freude? Spielraum? Vertrauen? Entlastung?
Bei meinen Klient:innen aus dem ADHS-Spektrum taucht manchmal ein weiteres Phänomen auf: RSD = Rejection Sensitive Dysphoria. Auf Deutsch könnte man das als „ablehnungssensible Dysphorie“ bezeichnen. Dysphorie ist dabei das Gegenteil der Euphorie.
RSD ist eine extreme emotionale Reaktion auf den bloßen Eindruck, abgelehnt, kritisiert oder nicht geschätzt zu werden.
Ein Schutzmechanismus vor dieser Dysphorie kann der Wunsch nach Kontrolle sein.
Ein möglicher Ansatz im Coaching ist dann, den eigenen Selbstwert zu betrachten – etwas, das in meiner Arbeit mit Perfektionismus fast immer eine Rolle spielt.
Es ist sinnvoll zu erkunden, wie sehr der eigene Wert an Bedingungen geknüpft ist.
Die Erfahrung, die dabei im Mittelpunkt steht, ist keine neue Erkenntnis, sondern eine alte Wahrheit:
Du bist wertvoll – unabhängig davon, ob Du etwas kannst oder nicht kannst.
Dein Selbstwert ist nicht an Leistung, Kontrolle oder Perfektion gebunden.
Im Prinzip ist das einfach.
Und im Leben oft alles andere als leicht.
Und das ist okay, wenn das gerade so ist.
Ein gutes Coaching leitet Dich da achtsam durch.
In einem kostenlosen und unverbindlichen Kennenlerngespräch kannst Du für Dich herausfinden, ob Coaching etwas für Dich wäre.

